Die Theater-AG des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums unter der Leitung von Heidelinde Richter und Eberhard Daerr überzeugte am 20.6.18 mit der Aufführung der Komödie „Belle Ivonne“ von Peter Buchholz, in der der arbeitslose Werbetexter Max ein ehrliches Jobangebot erhofft, während seine Tante und Mitbewohnerin Ivonne sich in kriminellen Gefilden bewegt.

Dass „Mäxchen“, grandios gespielt von Florian Irion, so klein nicht ist, sondern allen haushoch überlegen, wird schon bei seinem ersten Auftritt deutlich, als er das Gespräch zwischen seiner Tante Ivonne (Isabel Seidl) und der Nachbarin Frau Treff (Mia Millenet) stört: Während die beiden Damen die von Ivonne erbeuteten Stofftiere wie Trophäen bezaubernd einfältig anpreisen und nicht erkennen, dass ihr Tun unrechtmäßig ist und  an den vergangenen Ruhm Ivonnes als lebende Tiere domptierende Varietékünstlerin nicht heranreicht, kennt Neffe Max das große Ausmaß der Misere: Nicht nur finanziell, sondern auch ideell bewegt sich seine  klauende Tante am Rande des Ruins – und ist trotz guten Zuredens nicht zum Aufhören zu bewegen.  Ebenso unbeweglich erweist sich die Werbewelt, die Max kein ernstzunehmendes Jobangebot unterbreitet: Trotz offensichtlicher Eloquenz  von Max, bleiben seine gedichteten Werbeslogans leere Hülsen, für die sich keiner interessiert: Erwartungsfroh auf den entscheidenden Telefonanruf wartend und  wild fabulierend startend, kommt vom anderen Ende nur eine bescheidene Anzeige, dass der hauseigene Hund, Sir Archibald, zum wiederholten Mal in einem namhaften Fischgeschäft auf Beutezug ging. In diese verkehrte Welt gesellt sich schließlich Ivonnes alter Bekannter, der Bühnen-Dieb Caligari (Ben Schauß), dessen erfolgreiche Tage aber ebenso der Vergangenheit angehören wie die seiner Freundin: Die unauffällige Darbietung seiner Künste ist nicht gerade seine Stärke, ebenso scheint er nicht der gewiefte Haudegen zu sein, muss er doch erst von Ivonne bearbeitet werden, um am finalen Rettungsschuss, dem Raub eines wertvollen Colliers, mitzuwirken. Zu diesem benötigt Ivonne als weitere Accessoires die naive Frau Treff, ein knalliges Weihnachtsmannkostüm, einen Tischtennisball, einen ägyptischen Sarkophag und eine eher mittelprächtige Show, die – wie könnte es anders sein – auch zum Scheitern verurteilt ist. Entwicklung zeigt sich nur in Sachen Liebe: Die Kriminalbeamtin Sylvia (Maya Pawelcyck) ist Ivonne auf den Fersen. Jedoch statt dass sich zunächst etwas in der Aufklärung der Diebstähle tut und Ivonne dingfest gemacht wird, entwickeln sich feste amouröse Bande zwischen Sylvia und Max, an dem jedoch schließlich – ganz verklärt –  auch der aktuelle Beziehungsstatus vorbeigeht, wenn er doch tatsächlich nachfragt, ob sie nun verlobt oder nur liiert seien. So schnell wie sich die Liebe entwickelt, löst sich schließlich auch der Fall: Das geklaute Collier taucht plötzlich wieder auf und Max bekommt ein Jobangebot von Herrn Neumann (Achilleas Avramidis). 

Dass die Schülerinnen und Schüler ganz Großes geleistet haben, machte langanhaltender Beifall des Publikums als Dank für einen sehr kurzweiligen Abend deutlich. Sowohl in Gestik, Mimik, Bühnenpräsenz und Textsicherheit als auch in der Gestaltung des Bühnenbildes und des die Aufführung ankündenden Plakats überzeugte die Darbietung als Gesamtpaket und in den Details: Den Akteuren gelang es, die verschiedenen Emotionen echt und glaubhaft auf der Bühne darzubieten und ihre Rollen mit Leben zu füllen. Dass Schrille und Naive, das Überlegte und  Impulsive, das Ehrliche und Kriminelle – zwischen diesen Extremen bewegte sich die Handlung, die lebendig und sympathisch und mit viel Freude von den Schülerinnen und Schülern gespielt wurde. Der Abend hatte jedoch noch mehr zu bieten: Erneut wurde eine Art Murrhardter „Musik-Theater“ dargeboten, in dem der Mittel- und Oberstufenchor unter der Leitung von Veronika Hille in den Umbaupausen mit auch noch thematisch passenden Liedern wie dem „Kriminaltango“ – in gesanglicher Qualität und schauspielerischer Inszenierung perfekt – glänzte. Mit „California Dreaming“, „Cabaret“, „Mas que nada“, „Some nights“, „Fly me to the moon“   wagten sich die Schülerinnen und Schüler an Welthits, die in herausragender Qualität umgesetzt wurden. Mal als Gesamtchor, mal mit solistischen oder instrumentalen Einlagen, jedoch immer mit Präzision und in einem Wohlklang, vor dem man nur staunen konnte. Allen Akteuren gebührt für ihre Leistung schließlich eines: Ein ganz großes Dankeschön!