Anreise

Im Schuljahr 2017/18 begann unser Austauschprogramm mit einer Reise in unsere Partnerstadt Château-Gontier von Donnerstag, 21. bis zum Freitag, 29. September.

Nach einer Nachtfahrt mit einer Fernbuslinie erreichten wir am Freitagmorgen Paris. Sechs Stunden Aufenthalt reichten aus, um wenigstens einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen und ein paar der bekanntesten Sehenswürdigkeiten mit eigenen Augen zu sehen. Nach weiteren sieben Stunden Fahrt und Aufenthalt in Angers erreichten wir gegen Abend Château-Gontier, wo wir von den Gastfamilien schon sehnlichst erwartet wurden. Jetzt ging es erstmal ins verdiente Wochenende in und mit den Familien.

Ein Tag am Lycée Victor Hugo

Das Lycée Victor Hugo besteht zum Teil aus sehr alten Gebäuden, die schon als Kloster, aber auch schon zur Unterbringung von Gefangenen dienten. Die hübschen ehemaligen Klostergebäude sind im Nordteil noch erhalten geblieben. Mit den weiteren neuen Funktionsgebäuden hat das Gymnasium insgesamt elf ,,Bâtiments“, darunter einer Schulkantine: ,,Restaurant scolaire“, einen Hörsaal: ,,Salle polyvalente“, ein „CDI“: eine Art Bibliothek, Computer- und Aufenthaltsraum, ein für Jungen und Mädchen getrenntes Internat und die „Vie scolaire“: eine Einrichtung, die es an deutschen Schulen nicht gibt.

Der französische Schultag beginnt mit dem Gang durch die Pforte. Diese ist aufgrund der verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Frankreich momentan nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Die Schule beginnt erst um 8 Uhr und dauert dafür länger, oft bis um 17:30 Uhr. Eine Schulstunde dauert 55 Min.  Hat man in seinem Stundenplan eine Freistunde, besteht die Möglichkeit, im „CDI“ zu lernen oder Hausaufgaben zu erledigen. Der Unterrichtsstoff muss von den Schülern immer vor- und nachbereitet werden, weil Klassen­arbeiten nicht zwingend angekündigt werden müssen und auch eventuell mehrere Tests an einem Tag stattfinden können.

 

Die "Vie Scolaire" (=das Schulleben) ist zentrale Anlaufstelle für die Schüler. Hier wird alles geregelt, was Organisatorisches, Disziplin, Krankheit, Fehlen oder den Kontakt zu den Eltern betrifft. Die „Vie Scolaire“ informiert Schüler, Lehrer und Eltern, beaufsichtigt Schüler und ist auch für das Internat zuständig.

Dazu kommt eine weitere Einrichtung, die wir am HvZG nicht kennen: die Krankenstation: „l’Infirmerie“. Dort arbeitet eine ausgebildete Krankenschwester, die nicht nur Hilfe bei leichten Beschwerden anbietet, sondern auch Listen über die Medikation der Schüler führt, Untersuchungen macht oder die Rolle der Seelsorgerin übernimmt. Sie arbeitet streng vertraulich.

Alles in allem ist unsere subjektive Wahrnehmung, dass die Regeln im Victor Hugo-Gymnasium deutlich strenger sind als bei uns im HVZG, es aber auch viele sinnvolle Dinge gibt, die es bei uns nicht gibt, beispielsweise die „Infirmerie“.

Unsere Partnerstadt Château-Gontier

Château-Gontier ist wie Murrhardt eine Kleinstadt mit ca. 12 000 Einwohnern und vielen Teilorten, hat mit 28 km² aber weniger Fläche. Die Stadt liegt an der Mayenne, einem breiten, sanft strömenden Fluss, auf dem Hausboote und kleine Schiffe fahren. Direkt am Fluss liegt das beeindruckende Hospital aus dem 12. Jahrhundert, das eher an eine große Kirche oder Kathedrale als an ein Krankenhaus erinnert.

In der schönen Altstadt gibt es noch viele Stein- und Fachwerkhäuser, schöne Brücken und gepflasterte Straßen. Hier findet man kleine Geschäfte und Boutiquen, aber keine Kaufhausketten, was die Stadt sehr entspannt und ruhig macht. Weil es auch so viele Grünflächen und Blumen gibt, darf die Stadt die Bezeichnung „ville fleurie“ (Blühende Stadt) tragen.

Außerhalb der Stadtmitte befindet sich eine weitere Attraktion: die Schokoladenfabrik Roland Réauté, die Schokolade weiterverarbeitet, Führungen durch das Fabrikgelände anbietet und außerdem einen kleinen Laden besitzt.

Ausflüge

Der Mont-Saint-Michel, heute vielbesuchte Touristenattraktion und UNESCO Weltkulturerbe, war ursprünglich eine Abtei mit Wehranlage. Sie wurde im achten Jahrhundert zu Ehren des Erzengels Michael auf einem steilen Felsen im Meer erbaut und konnte nur bei Ebbe erreicht werden. Heute führt eine Brücke vom Festland zum Dorf mit engen Gassen und steilen Treppen und den unvermeidlichen Souvenirshops und Crêpeverkäufern, dann geht es weiter hinauf zur Abtei, deren Räume sich wie ein Schneckenhaus um den Felsen winden. Neben der wunderschönen Architektur der Kathedrale samt Krypta, dem Kreuzgang und vielen anderen Räumen, die zu der Klosteranlage gehörten, gibt es auch die Westterrasse mit atemberaubender Aussicht. Wir konnten das Kloster besichtigen und danach noch etwas Zeit im Dorf verbringen. Insgesamt war es wegen der vielen Treppen zwar anstrengend, aber auch sehr schön und interessant.

Saint-Malo (ca. 45 000 Einwohner) ist eine ehemalige Handels- und Seefahrerstadt an der bretonischen Küste. Die Altstadt ist komplett von einer Wehrmauer aus dem 12. Jahrhundert umschlossen. Innerhalb der Mauern konnten wir in kleinen Gruppen mit unseren Austauschpartnern durch die verwinkelten Gassen streifen, in Cafés oder Boutiquen gehen oder die Stadt auf der Stadtmauer umrunden und bei perfektem Wetter den Blick auf die Häuser mit den grauen Granitfassaden und das Meer genießen. Durch Tore kommt man auch an den feinen Sandstrand bei der Mole. Viele brauchten allerdings zur Stärkung erst eine der vielen Spezialitäten, einen Crêpe oder vielleicht einen bretonischen Kuchen.

 

Schon bei der Anfahrt hatten wir etwas Zeit in Angers verbracht. Die lebhafte Studentenstadt bietet angefangen von einem Schloss, Theatern, Museen, ihrer historischen Altstadt bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten alles, was man sich nur denken kann. Wir hatten an einem weiteren Nachmittag allerdings nur die Zeit für einen kurzen Stadtrundgang und eine Führung im Museum des Beaux-Arts, die aber sehr interessant war.

Bei allen unseren Ausflügen hatten wir traumhaftes Wetter und konnten die Zeit richtig genießen.

Essen und Trinken

In Frankreich werden drei Mahlzeiten pro Tag gegessen. Dazu zählen das Frühstück und ein warmes Mittagessen und Abendessen. Zwischenmahlzeiten gibt es nur für kleine Kinder, die am Nachmittag noch eine Kleinigkeit bekommen. Auch in der Schule haben die Schüler üblicherweise keinen Imbiss für die Pausen dabei.

Unsere Familien frühstückten am Wochenende zwischen 8 und 10 Uhr, an Wochentagen zwischen 6 und 8 Uhr. Anders als in Deutschland gab es bei uns den ‚Bol‘, eine Art Müslischale, zum Trinken von heißer Schokolade, Milch oder Tee. Der Bol ist praktisch, wenn man Backwaren in das Getränk eintauchen will. Manche Familien benutzen statt Tellern Servietten, auf die das Frühstücksbrot oder die Croissants gelegt werden. Zum Frühstück gab es oft Orangensaft, Croissants, Baguette, Crêpes, Marmelade, Honig, Nutella, Butter, Obst und verschieden Käsesorten, wie z.B. Camembert, Brie oder Roquefort.

Das Mittagessen gab es meist zwischen 12 Uhr und 12.30 Uhr. Ob in den Familien oder in der Schulkantine, es gab immer eine Vorspeise (entrée), wie zum Beispiel Suppen, Salat, Melone oder gefüllte Champignons. Darauf folgte das Hauptgericht (plat principal) mit Fleisch oder Fisch mit Gemüse, Galettes oder auch mal Pizza. Der Nachtisch (dessert) konnte Pudding, Joghurt, Obst, Kuchen oder Schokolade sein.

Das ebenfalls warme Abendessen (diner) ist die wichtigste Mahlzeit und findet meistens erst gegen 20 -21 Uhr statt. Auch jetzt gab es mindestens 3 Gänge.

Wir hatten den Eindruck, dass es immer sehr viel zu essen gab und die Essenszeiten fester sind als wir es gewöhnt sind.

Andere Länder - andere Sitten

Schon als wir aus dem Bus ausstiegen, konnten wir einige Unterschiede feststellen. Bei der Begrüßung geben sich Freunde und Familie in Frankreich statt Handschlag zwei Küsschen auf die Wangen und einige von uns wurden doch ziemlich überrascht,  als unsere Austauschpartner auch uns zur Begrüßung zwei Küsschen (la bise) gaben.

Anders als in Deutschland gehen auch schon kleine Kinder an 4 Tagen der Woche ganztags in die Schule. Oft arbeiten beide Eltern und kommen etwa zur gleichen Zeit mit den Kindern nach Hause.  Nach der Schule oder am freien Mittwochnachmittag machen die Kinder noch Hausaufgaben, schauen fern oder machen Sport. Für Aktivitäten in Vereinen haben alle weniger Zeit. Am Wochenende treffen sich die Familien, gehen in die Kirche oder unternehmen etwas entsprechend ihren Interessen.

Unsere Gastfamilien hatten unterschiedliche Gewohnheiten, uns gegenüber waren aber alle sehr höflich, freundlich und entspannt. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

Zu Gast in Murrhardt

Die Vorweihnachtszeit in Deutschland ist etwas ganz Besonderes. Weihnachtsmärkte, Plätzchen, Punsch und vieles mehr ziehen viele Touristen an und auch unsere Gäste aus Chateau-Gontier kommen gerne in dieser Zeit zu uns nach Murrhardt. In diesem Jahr verbrachte die Gruppe eine Woche vom 14. bis 21. Dezember hier bei uns in Begleitung von Frau Clouet und Frau Renaud.

 

Auf dem Programm standen zwei gemeinsame Ausflüge nach Stuttgart und Esslingen, die Besichtigungen von Fernsehturm und Mercedes-Benz-Museum, ein Empfang beim Bürgermeister und viele spannende Aktivitäten der deutschen Gastfamilien für ihre französischen Gäste während des Wochenendes und an den Abenden.

Vielen Dank, dass Sie, liebe Schüler und Familien, unseren Gästen eine so schöne Zeit ermöglicht haben!

Die Teilnehmer und Organisatoren des Austausches

Agnesa Bejic, Ida Buchner,  Céline Dantchev, Celina Eisemann, Rebekka Engel, Paula Feick, Julian Fritzsch, Luisa Jung, Dennis Klenk, Marie Köhler, Mirjana Kugler, Hanna Riker, Flynn Rohrweck, Leonie Satlukal, Hanna Schiffo, Elina Segkouli, Rabea Vockeroth, Sina Wagner, Isabel Wörsinger, Brigitte Ostkamp, Iris Boizo